“Frauen sind keine Schimpansen”

Diesen Satz sagt Elisabeth Badinter, französische Philosophin, im Spiegel anlässlich der Veröffentlichung ihres Buches “Der Konflikt“.
Badinter schreibt schon seit den 80ern gegen die ihrer Meinung nach zunehmende Verherrlichung des angeblich natürlich angeborenen Mutterinstinktes an und sieht eine der wichtigsten Ausprägungen dieser Entwicklung im wiederentdeckten Stillmythos, der es ihrer Meinung nach Frauen immer schwerer macht sich aus Karrieregründen bewusst gegen das Stillen des Säuglings zu entscheiden. Für Badinter gibt es gerade  (in Frankreich) einen “Rückfall in längst überwundene Zeiten”. Diese Entwicklung ist für sie eine Gegenbewegung der aktuellen Müttergeneration zur emanzipierten 68er-Bewegung, in deren Umfeld und Ausläufern sie aufgewachsen sind.

Sie gibt sich in ihrer Argumentation  sehr undogmatisch und gesteht es jeder Frau zu aus freien Stücken so lange zu Stillen wie sie will, wehrt sich aber mit ihren Thesen gegen die in den den letzten Jahren, in Deutschland z.B. von Eva Hermann propagierte, aufopfernden Mutter, die alles für ihre Kinder aufgibt und stillt, bis die Milch sauer wird.

Interessant sind auch die Äußerungen zu den kulturellen Unterschieden zwischen Deutschland und Frankreich. So war im Nachbarland die gesellschaftliche Anerkennung für eine früh wieder ins Berufsleben eintretende Mutter wesentlich höher als in Deutschland und wurde auch durch gezielte staatliche Maßnahmen, wie die kostengünstige Betreuung schon ab dem ersten Lebensjahr gezielt gefördert. Wo sie also für ihr Land einen drohenden Backlash sieht, muss man für Deutschland konstatieren, dass es noch nie so weit gekommen ist. Wer momentan für seine Kinder einen Betreuungsplatz vor dem dritten Lebensjahr sucht kann ein Lied davon singen und der für 2013 geplante Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz wird mittlerweile angesichts immer knapper werdender Finanzen auch schon wieder in Frage gestellt.

Und aus persönlicher Erfahrung kann ich sagen, daß gerade die Stillproblematik in meinem Umfeld sowohl als auch gesehen wird. Ist es für die einen das wichtigste Ziel so schnell wie möglich abzustillen oder gar nicht erst damit anzufangen, stillen die anderen halt so vor sich hin, bis es von alleine aufhört. Als wesentlich hinderlicher für einen raschen Wiedereinstieg in den Beruf  sehe ich weiterhin die fehlenden oder zu kostspieligen Betreuungsoptionen und die immer noch vorhandene Ungleichheit beim Gehalt von Mann und Frau.


Über Heiko Bielinski

Wohnt gerne in München, weil es da das beste Bier gibt und hat einen sehr lustigen Sohn und eine sehr proppere Tochter.

09. September 2010 von Heiko Bielinski
Kategorien: Bücher, Familienpolitik, Featured, News | 1 Kommentar

1 Kommentar

  1. Dazu auch ganz interessant: Artikel in der heutigen Print-SZ von Alex Rühle: “Entscheidet Euch! Mehr Kinder gibt es nur mit einer anderen Arbeitskultur”. Darin wird das Buch “Equally shared Parenting” von Marc und Amy Vachon empfohlen, die auch Blogger sind. Könnte ein Lesetipp sein.

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