Wir haben vorgelesen. 8000 Stunden Lesezeit für Schulkinder

Zu viel der Ehre: Meine Urkunde für eine Stunde Vorlesen

Heute ist bundesweiter Vorlesetag. Das hieß für mich, dass ich heute morgen von 8.30 bis 9.30 Uhr in der örtlichen Grundschule 15 Schüler aus der zweiten bis vierten Klasse vor mir sitzen hatte, die sich darauf gefreut haben, eine gute Geschichte zu hören. Im ganzen Land haben 8000 Mütter und Väter (und wahrscheinlich auch Omas und Opas) mitgemacht. Die Aktion hat auch einen offiziellen Namen: Wir lesen vor, eine Initiative der ZEIT und der Stiftung Lesen.

Es hat Spaß gemacht und die 60 Minuten gingen schneller rum als bei der Arbeit. Es wurde zu Beginn betont, dass die Stunde nicht nur aus Vorlesen bestehen soll, sondern auch Zeit genug eingeplant werden soll, um ein Bild zu malen und noch mal über das Vorgelesene zu reden.

Ich lese, wie viele andere Eltern auch, meinen Kindern regelmäßig vor und im Laufe der Jahre habe ich an meinem Vortrag feilen können, denn Vorlesen ist nicht weniger als das – ein Vortrag, der fesseln soll. Ich habe heute wieder gemerkt: Man kann Kinder in ihren (vielen) unkonzentrierten Momenten (die ihnen auch zustehen) mit einer etwas stärker betonten Silbe oder einer einfachen Geste im nu wieder einfangen und auch festhalten. Oder wie es in den Zwölf goldenen Vorlese-Regeln heißt: “Vermeiden Sie das „Runterleiern”, denn Kinder spüren, wenn Sie mit den Gedanken nicht dabei sind.” Und: Zwischenfragen sind nicht nur erlaubt, sondern unbedingt zu beantworten, am besten von den anderen Kindern.

Nach einer der kürzesten Schulstunden meines Lebens und mit angerauhten Stimmbändern wurde ich mit den anderen Vorleseeltern noch im Lehrerzimmer zu Kaffee und Kuchen eingeladen und jeder bekam eine Urkunde zum Event. Erfreulich war auch die große Anzahl an Vätern in der Runde, viele davon sind nicht zum ersten mal dabei, und auch die übrigen kommen gerne im nächsten Jahr wieder.


Über Bernhard Lermann

Wohnt bei München und beobachtet die Bewohner des Speckgürtels. Seine beiden Kinder gehen mittlerweile gerne in die Schule, haben aber noch nicht ganz verstanden, was ihr Vater arbeitet.

13. November 2009 von Bernhard Lermann
Kategorien: Bücher, Familienpolitik, Featured, Schulkind | Schlagwörter: , , | Schreibe einen Kommentar

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