“Was bist du (denn) für ein Vater?”

In dem sehr aufschlussreichen Artikel von Tina Baier über “Das Scheitern der Väter” in der SZ kommen gleich eine Menge Dinge auf den Tisch. So wird zu Beginn Karin Jurczyk vom Deutschen Jugendinstitut (DJI) zitiert: “Die jungen Männer sind ziemlich verzweifelt auf der Suche nach Leitbildern … In unserer Gesellschaft gibt es kein positives Bild von Männlichkeit, das Väterlichkeit mit einschließt.”

Ja, wir haben die Väterbilder alle ganz schön mit Dreck beworfen in der Vergangenheit. Alle werden sie gemieden wie die Pest: der Softie und der Strenge, der Liberale und der Autoritäre, der Phantasievolle und der Verschlossene. In Küchengesprächen auf den letzten Parties als Paar ohne Kinder, wenn der dicke Bauch schon genug Gesprächsstoff liefert, werden alle diese Vätertypen schon im Vorfeld abgewatscht. Dabei hat man das geheimnisumwobene Neuland ja noch nicht mal betreten. Und ein paar Jahre später heißt es dann schon bei irgendeiner Gelegenheit: “Was bist du (denn) für ein Vater?” Da befindet sich der unsichere Vater schon mitten drin im Image-Spießrutenlauf.

Ja, was für einer ist man denn? Fragen Sie das mal Ihre Kinder! Aber Vorsicht: Die können dumme Fragen von noch dümmeren sehr wohl unterscheiden. Die SZ-Autorin bleibt in ihrem Artikel bei der Wissenschaft und kommt am Ende zu dem Schluss: “Damit sich Männer in Zukunft mehr als Väter engagieren können, muss sich die Arbeitswelt noch weiter verändern”. Das haben wir schon mal gehört. Ich sage mal: Die Anwesenheit der Väter spielt eine viel größere Rolle als die Diskussion über Rollen, in denen man sie von außen wahrnimmt. Vielleicht führt gerade das zu den neuen Leitbildern, die verzweifelt gesucht werden. Trotzdem scheint es laut SZ-Online “sechs Väter-Typen” in Deutschland zu geben. Ein Esel, wer sich dort sucht.


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About the Author

Wohnt bei München und beobachtet die Bewohner des Speckgürtels. Seine beiden Kinder gehen mittlerweile gerne in die Schule, haben aber noch nicht ganz verstanden, was ihr Vater arbeitet.