Rückkehr nach Deutschland –
Wo ist es familienfreundlich?
Zugegeben: Wer in eine neue Stadt umzieht, tut dies in der Regel aus beruflichen Gründen und hat sich nur selten den neuen Ort aussuchen dürfen. In Zeiten zunehmenden beruflichen Nomadentums kann eine solche Entscheidung, bewusst gefasst, allerdings ganz erhebliche Vorteile mit sich bringen. Wer wie unsere kleine Familie aus dem Ausland zurückkehrt, hat heute gar keine Wahl als sich sehr gut zu überlegen, wo das neue Lager aufgeschlagen werden soll. Dank einiger Entscheidungshilfen ist so ein totaler Neuanfang eine viel bessere Ausgangsposition als man zunächst erwarten mag.
Ein Zuzug aus dem Ausland ist ohnehin eine große Sache, soviel ist klar: Den besseren Job 500 Kilometer entfernt, oder doch näher bei den Freunden bleiben, dafür weniger verdienen? Solche Fragen stellen sich erst gar nicht, denn die Freunde der letzten Jahre bleiben ohnehin zurück. Und die in der alten Heimat sind – wenn sie es nicht schon waren – mittlerweile über das ganze Land verstreut. Die Familie lebt – zumindest in unserem Fall – in wenig aussichtsreichen Klein- oder Mittelzentren ohne berufliche Perspektive oder nennenswerte Kinderbetreuung. Da wir ihr zudem nicht unnötig auf der Tasche liegen wollen und können, ist schnell klar: Eine Großstadt muss her.
Eine Großstadt hat per Begriffsbestimmung mindestens 100.000 Einwohner, und in Deutschland gab es davon im Jahre 2007 noch 81 Stück. Die Auswahl ist also nicht gering. Laut Wikipedia leben knapp über ein Drittel aller Deutschen in einer Großstadt. Das ist eine gewisse statistische Normalität, über die wir als exotische Rückkehrer in jedem Fall schon einmal dankbar sind. Leider sind 81 Städte aber auch eine zu große Zahl, um schon mal ein paar Wohnungsbesichtigungen anzuleiern. Einigen wir uns also auf die, sagen wir, 25 größten Städte.
Auch hier hat jeder sicherlich ganz schnell ein paar eigene Filter parat, mit der er die Liste reduzieren kann: Düsseldorf oder Köln? Frankfurt oder Offenbach? Eine Gewissensfrage, ohne Frage. Hamburg ist zu kalt, in Essen wohnt die unausstehliche Tante Klara, in Duisburg wird nur zweitklassig Fußball gespielt – na also, geht doch. Doch auch ernsthaft betrachtet gibt es weiter Entscheidungshilfen. Für Selbständige könnte der wirtschaftliche Faktor eine bedeutende Rolle spielen. Wer aber zum Beispiel besonderen Wert darauf legt, wo sich Familie und Beruf am besten vereinbaren lassen, kommt auf ganz andere Ergebnisse.
Wonach wir suchen ist dabei eine passende Schnittmenge. Die aber kann ganz überraschend ausfallen. Wer hätte zum Beispiel gedacht, dass Mainz in beiden Listen ganz oben mitspielt? Eine gewisse Flexibilität – müssen wir das sagen? – ist unverzichtbar. Manchmal sind es auch die Gebiete nicht unmittelbar mit Großstadt, die plötzlich sehr attraktiv erscheinen. Zahlreiche Regionen, insbesondere in Ostdeutschland, die heute noch unter einer schlechten wirtschaftlichen Situation leiden, investieren in Familienfreundlichkeit. Ihr Vorteil ist eine sehr gute Betreuungsinfrastruktur und häufig überdurchschnittliche Schulbedingungen.
Für uns war übrigens letzter Aspekt besonders wichtig, sind wir doch vor allem wegen der Kinder überhaupt nach Deutschland zurück gekehrt. Als dann, nach Bewerbungsgesprächen so weit gestreut wie Bremen, Ulm und Mainz, schließlich ein Arbeitsvertrag in Dresden in Aussicht stand, fiel die Entscheidung nicht mehr schwer. Ganz nebenbei bleibt es so für uns auch in der alten Heimat weiter aufregend: Diese Ecke Deutschlands haben wir als zuletzt Wahlkölner bisher noch gar nicht kennen gelernt.
Kommentare (4)
Interessanter Artikel. Es wäre noch interessant gewesen aus welchem Land bzw. Gegend ihr zurückgekehrt seid. Das kann ja auch durchaus einen Einfluss auf die Niederlassungsentscheidung haben. Wenn man aus dem kleinen Kaff im amerikanischen mittleren Westen kommt oder aus einer Metropole, dann sehnt man sich wahrscheinlich nach unterschiedlichen Dingen. Ich lebte z.B. 2 Jahre in Toronto und habe mich immens auf einen grossen Stadtpark (wie z.B. Englischer Garten) gefreut, und auch auf die Möglichkeit einfach eine Stadt mit dem Fahrrad verlassen zu können (was in Toronto quasi unmöglich war).
Richtig – wir sind aus Bangkok zurückgekehrt. Da sind so Dinge wie Fahraddfahren und Parks wie wir sie kennen überhaupt nicht vorhanden. Vielleicht habe ich es auch deshalb vernachlässigt, weil wir selbst einen kleinen Ententeich mit Sitzwiese oder Fahren auf dem Bürgersteig unter diesen Umständen schon als wahnsinnige Verbesserung wahrnehmen.
Allerdings waren wir in Dresden darüber enttäuscht, dass es so gut wie keine Thai-Community gibt (oder wir sie noch nicht finden konnten) und auch die Restaurants von Vietnamesen betrieben werden. Die mögen wir zwar auch, vor allem unserem in Thailand geborenen Sohn hätten wir aber gerne die Erinnerung an Sprache und Kultur lebhafter erhalten.
Hallo Alex,
das ist schön, dass Ihr in “good old Germany” wieder ein nettes Plätzchen zum Leben gefunden habt. Und auch noch im wunderschönen Elbflorenz…
Könntest Du bitte ganz liebe Grüße an Ute ausrichten? Sie hatte Corinna und mich 2007 an der MUIC unterrichtet. Durch Zufall habe ich auf der ITB das Magazin “Amazing Thailand” erhalten und Utes Beitrag gelesen sowie die Bemerkung, dass sie wieder zurück nach Deutschland geht. Seitdem war Eure “Spur” verschwunden
Schön, dass ich sie wieder gefunden habe! Vielleicht könnte ich mich mal wieder mit Ute treffen. Dresden liegt ja bei mir praktisch vor der Haustür.
Viele Grüße!
Yvonne
Interessanter Artikel. Ich interessiere mich für dieses Thema. erhält man ja einige gute Infos dazu. Werde auf jeden Fall öfter nab wieder reingucken.