Schreie, Streiks, Geschmacksverstärker
Im SZ-Magazin hatte sich Rainer Stadler letzte Woche gegen das allgemeine Elternbashing gewehrt. Sein sehr sympathischer Aufschrei ist jetzt auch online zu lesen, zusammen mit einem Beitrag zum zweiten Zuhause Schule von dem einzigen Kinderarzt, dessen Bücher man getrost kaufen kann und auch lesen sollte: Remo Largo (schon der Name beruhigt).
Für alle Eltern, die langsam sauer werden über die streikenden Erzieher gibt es bei der ZEIT ein paar Argumente, warum auch diese Berufsgruppe ein gutes Recht auf mehr Gehalt hat. Der Text hat mir klar gemacht, dass der Kindergarten gar nicht als Teil des sogenannten Bildungssystems gilt. Gezielte Förderung der Kinder vor der Schule ist nicht selbstverständlich Aufgabe der Erzieherinnen. Aber wir wollen es alle so, dann sollte es uns auch wichtig sein, dass die Kräfte qualifiziert sind, mehr Aufstiegsmöglichkeiten haben und mehr verdienen als jetzt. Also Kinder eingepackt und mitstreiken!
SPON hatte vergangene Woche Bildungsforscher Jürgen Baumert im Interview. Er erklärt, warum kluge Kinder nicht nur am Gymnasium gut aufgehoben sind und bricht die Lanze für die sechsjährige Grundschule, sicher sehr zum Ärger der “Lobby der Gymnasial-Eltern” (wie Der Spiegel sie nennt).
Es gab noch eine Nachricht von den Nein-Sagern bei der SPD (das sind ja bekanntlich nicht wenige). Die haben Bundesfamilienministerin Frau von der Leyen (CDU) eine Absage zur Einführung eines Teilelterngeldes erteilt, das dafür sorgen soll, dass auch junge Väter und Mütter mit Teilzeit-Jobs nach der Geburt eines Kindes “unter bestimmten Bedingungen” bis zu 28 Monate lang Elterngeld beziehen können. Wir kennen die Gründe für das Scheitern dieser schönen Idee leider nicht, aber es riecht nach Wahlkampf.
Die ehrwürdige Lebensmittelindustrie durfte laut Spiegel-Information “bei der Zusammenstellung neuer Standards für Kita-Essen mitmischen”. Das hört sich genauso schlimm an wie es wohl auch ist. Bundesernährungsministerin Ilse Aigner hat die Herren mal machen lassen, die so endlich “zahlreiche Inhalte richtigstellen beziehungsweise verbessern” konnten. “So sei es gelungen, die vorgesehene Ausgrenzung von Schmelzkäse und Mayonnaise, Geschmacksverstärkern, künstlichen Aromen und Süßstoffen wieder streichen zu lassen.” – Diesen Absatz kann man sich trotz Inhalt auf der Zunge zergehen lassen. Mehr dazu bei Spiegel Online, bevor ich mich übergebe. Ich habe ja schon gestern zu dem Thema gewettert.